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Gastronomie weiterhin auf Spitzenniveau

Mit drei neuen 2-Sterne-Adressen und 28 neuen 1-Stern-Häusern kommt die Ausgabe 2017 des Guide MICHELIN Deutschland am 2. Dezember in den Handel. Insgesamt liegt die Zahl der Restaurants mit einem oder mehreren Sternen jetzt auf dem neuen Höchststand von 292 Betrieben. Dies sind 17 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Dazu Michael Ellis, internationaler Direktor des Guide MICHELIN: „Die Entwicklung der deutschen Spitzengastronomie bleibt dank zahlreicher junger, innovations-freudiger Köche auf sehr hohem Niveau. Vielfach haben sie ihr Know-how in internationalen Top-Häusern erworben und stellen ihr Können jetzt als Küchenchefs in eigenen Restaurants unter Beweis. Damit tragen sie maßgeblich dazu bei, dass die deutsche Gastro-Szene zu den besten in Europa und der Welt zählt“, so Ellis weiter.

Frischer Wind durch junge Küchenchefs

Zu dieser Generation hoch motivierter junger Köche zählt Shootingstar Tristan Brandt, der es zusammen mit seinem Team geschafft hat, dem Restaurant „Opus V“ in Mannheim innerhalb von nur zwei Jahren den zweiten MICHELIN Stern zu erkochen.
Erstmals mit zwei MICHELIN Sternen ausgezeichnet wurde ebenfalls das Restaurant „Geisels Werneckhof“ in München unter der Regie von Tohru Nakamura, der Spitzenküche mit japanischen Einflüssen kreiert. Auch er ist ein Vertreter der aufstrebenden jungen Küchenchefs.

Dritter neuer Aufsteiger in die 2-Sterne-Liga ist das Restaurant „Rutz“ in Berlin. Küchenchef hier ist Marco Müller. Die Bundeshauptstadt zählt damit sieben 2-Sterne-Häuser sowie zwölf 1-Stern-Restaurants und festigt damit ihren Ruf als kulinarischer Hotspot in Europa.

Zehn 3-Sterne-Häuser belegen Top-Niveau der Gastronomie

Die Zahl der deutschen 3-Sterne-Restaurants bleibt ebenfalls auf dem Stand von zehn Häusern. Damit behauptet Deutschland seinen Platz als europäisches Land mit den meisten 3-Sterne-Adressen nach Frankreich. Nur etwa einhundert Adressen weltweit tragen dieses Top-Prädikat für Kochkunst auf höchstem Niveau.

Einen neuen Spitzenwert verbucht der Guide MICHELIN Deutschland 2017 mit 243 Häusern bei den 1-Stern-Adressen. Insgesamt 28 Restaurants erhalten die begehrte Auszeichnung neu, davon mit dem „Bread & Roses“, „Le Flair“ und „Nenio“ gleich drei in Düsseldorf. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt zählt damit zu den Gewinnern im Guide MICHELIN Deutschland 2017. Jeweils zwei neue 1-Stern-Häuser finden sich in Bonn, Köln und Nürnberg.

Trend zum „Casual Fine Dining“ hält an

Auf ihren Fahrten für die Ausgabe 2017 des Guide MICHELIN beobachteten die Michelin Inspektoren aktuelle Trends und Entwicklungen in der deutschen Küche und Gastronomie. So finden sich in der gastronomischen Top-Liga immer mehr Häuser, die auf hohem Niveau kochen und dabei eine legere, lockere Atmosphäre bieten. „Casual Fine Dining“ heißt dieser Trend, der auch ein jüngeres Publikum anspricht. Gerade in den Metropolen ist inzwischen eine lebhafte, abwechslungsreiche und spannende Gastronomie zu Hause.

„Bib Gourmand“ feiert 20. Geburtstag mit 472 Empfehlungen

2017 feiert der Guide MICHELIN Deutschland ein Jubiläum: Vor 20 Jahren erschien in der Ausgabe erstmals der „Bib Gourmand“. Das Prädikat für sorgfältig zubereitete Speisen zu moderaten Preisen (in Deutschland 37 Euro für eine dreigängige Mahlzeit) wird durch das schlemmende Michelin Männchen gekennzeichnet und war von Anfang an ein Erfolg bei den Lesern. Insgesamt 303 Restaurants erhielten im Premierenjahr 1997 einen Bib Gourmand. Im Laufe der Jahre nahm die Zahl der Adressen beachtlich zu. Für die Ausgabe 2017 des Guide MICHELIN Deutschland zeichneten die Tester 472 Häuser mit dem Prädikat für ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis und gute Küche aus. 60 Restaurants erhielten den Bib Gourmand neu.

Modernisiertes Layout erleichtert die Orientierung

Der Guide MICHELIN Deutschland 2017 erscheint in einem modernisierten, lesefreundlichen Layout. Die Anordnung der Empfehlungen ist übersichtlicher und praktischer: So stehen die Restaurant-Tipps vor den Hotelempfehlungen. Zusätzlich geben Schlüsselworte wie „traditionelle Küche, gastfreundlich“ oder „moderne Küche, elegant“ auf einen Blick direkt Auskunft über Küchenstil und Ambiente eines Restaurants oder den Charakter eines Hotels.

Insider-Tipps für Adressen mit dem „gewissen Etwas“

Weiteres Novum sind die Insider-Tipps der Michelin Inspektoren für Großstädte und touristische Zentren. Diese speziellen Empfehlungen sind zusammen mit einem Foto der jeweiligen Städte vorangestellt und beinhalten eine kurze Auswahl der Häuser, die durch ihre Atmosphäre, typische Spezialitäten für die Region oder ihre reizvolle Lage bestechen. Hierbei handelt es sich neben besonderen Hotels nicht nur um Sterne-Adressen, sondern ebenso um „Bib Gourmand“-Häuser, aber auch bodenständige Restaurants mit Lokalkolorit und guter Küche.

MICHELIN Teller weist auf „eine Küche von guter Qualität“ hin

Erstmals erscheint im Guide MICHELIN Deutschland 2017 auch ein neues Symbol, der MICHELIN Teller. Das Piktogramm steht für „eine Küche von guter Qualität“ und ist all jenen Restaurants vorangestellt, die nicht mit einem oder mehreren MICHELIN Sternen oder einem „Bib Gourmand“ ausgezeichnet sind. Das Symbol weist die Leser darauf hin, dass bereits die Aufnahme in die Auswahl des Guide MICHELIN als Zeichen für eine Küchenleistung über dem Durchschnitt zu werten ist.

Neue Hotelauswahl legt Wert auf Lage, Ambiente und Gastronomie

Der Guide MICHELIN Deutschland 2017 erscheint mit einer im Vergleich zur Vergangenheit deutlich reduzierten Hotelauswahl. Hintergrund: Als Antwort auf geänderte Reisegewohnheiten und Erwartungen der Leser listet der Titel künftig insbesondere solche Häuser, die über ein gewisses Plus verfügen und den Aufenthalt zu einem besonderen Erlebnis machen. Dazu zählen zum Beispiel eine besonders reizvolle Lage, ein charmantes Ambiente, ein großzügiger Wellnessbereich, modernes Design oder ein Hotelrestaurant mit besonders guter Küche.

Einheitliche Bewertungsmaßstäbe rund um die Welt

Der Guide MICHELIN gilt als internationale Referenz unter den Gastronomie- und Hotelführern. Die Basis dieses Vertrauens sind seine strengen Bewertungskriterien, die für alle 28 Länder, in denen der Guide erscheint, einheitlich sind. Für die Auswahl der Adressen im Guide MICHELIN ist ein erfahrenes Team aus fest angestellten, anonym arbeitenden Michelin Inspektoren verantwortlich. Alle Tester verfügen über eine fundierte Ausbildung und Erfahrung in internationaler Spitzenhotellerie und -gastronomie und haben zusätzlich eine intensive Ausbildung bei Michelin absolviert. Bei ihren Reisen auf der Suche nach den besten Restaurant- und Hoteladressen urteilen sie nach einem festen, an objektiven Maßstäben ausgerichteten Bewertungssystem, das sich im Laufe vieler Jahre bewährt hat. Deshalb steht der Guide MICHELIN für internationale Vergleichbarkeit und ein weltweit hohes Qualitätsniveau.

Ab 2. Dezember im Buchhandel

Der Guide MICHELIN Deutschland 2017 ist ab 2. Dezember für 29,95 Euro im Buchhandel erhältlich (Österreich: 30,80 Euro, Schweiz: 39 Franken). Außerdem lassen sich die Restaurant-Empfehlungen online über die Website „Bookatable by Michelin“ abrufen (https://www.bookatable.com/de). Die 54. Ausgabe des renommierten Hotel- und Gastronomieführers empfiehlt auf 1.176 Seiten insgesamt 2.306 Restaurants und 1.972 Hotels, davon:

292 Restaurants mit MICHELIN Sternen

10 3-Sterne-Restaurants
39 2-Sterne-Restaurants, darunter drei neue
243 1-Stern-Restaurants, darunter 28 neue
472 „Bib Gourmand“-Restaurants, darunter 60 neue

Das Spektrum der im Guide MICHELIN gelisteten Häuser reicht vom Landgasthof über das Gourmetlokal bis hin zur gut geführten Familienpension. Darüber hinaus listet der Guide MICHELIN zahlreiche Wellness-Hotels bis hin zu traditionsreichen Grandhotels

Sternerestaurants 2017 nach_Bundesland sortiert (PDF-Datei)

Sternerestaurants 2017 nach Orten sortiert (PDF-Datei)

Gesehen auf:

www.hoga-pr.de/news/guide-michelin-2017-31-neue-sterne-erstrahlen-ueber-deutschland-13802.html/

Die Entwicklung der Gastronomie in Deutschland ist hoch erfreulich, wenn man bedenkt, was hiesige Restaurants in den 70er und 80er Jahren so angeboten haben. Der Einfluss aus aller Welt hat der deutschen Gastronomie sehr gut getan. Auch, dass es so viele Restaurants mit 1 oder mehr Sternen wie nie zuvor in Deutschland gibt, ist sicher zu begrüßen. Allerdings geht ein bisschen was auch verloren. Zwischen der Gourmet-Klasse, die sich nun mal nicht jeder leisten kann, und dem Bereich Fast Food werden die ganz normalen Restaurants und Gasthäuser mit wirklich gut gemachter, überwiegend regionaler Küche zerrieben. Es gibt immer weniger Restaurants, wo man einfache Gerichte bekommt, die trotzdem mit Liebe und Einfallsreichtum zubereitet werden. Das Image dieser Küche hat einfach zu sehr gelitten und muss mühsam wieder aufgebaut werden. Aber es gibt sie, die Lokale, die genau so eine Küche anbieten. Vor allem in kleineren Städten und in ländlich geprägter Umgebung werde diese Angebote gerne angeboten, weil vielen Leuten allzu viel Experimente suspekt sind. Kleine, aber feine Lokale mit leckerer, aber auch nicht zu überladener Karte mit wechselnden Gerichten können eine Erfolgsstory sein, wenn man keine Fertigkost verarbeitet und mit Liebe kocht. Oft gibt es bei diesen Restaurants auch einen schönen Biergarten oder eine gepflegte Terrasse, die den Genuss perfekt macht. Probieren Sie es aus, schauen Sie in Bewertungsportale im Internet oder lassen sich vor Ort beraten, wo man denn gut ausgehen kann. Sie werden überrascht sein, wie gut man heutzutage auf dem Land essen kann. Und das Beste daran: Das geht immer noch zu einem akzeptablen Preis. 

Eine der eher nicht so bekannten Städte in Deutschland bzw. Bayern ist Kaufbeuren im Allgäu. Es lohnt sich in vielerlei Hinsicht, diese Stadt, vielleicht sogar für ein paar Tage, lang zu besuchen. In der Altstadt erwarten einen enge Gassen und teilweise sehr alte Häuser, die liebevoll restauriert sind und allerlei Gewerbe wie Einzelhandel, Dienstleister und vor allem Gastronomie beherbergen. Bei einem Spaziergang durch die Altstadt in Kaufbeuren kann man kleine Juwel entdecken wie das Restaurant jedermanns essen und trinken. Angefangen mit Frühstück ab 10:00 Uhr: Wenn man Glück hat mit dem Wetter, kann man in dem herrlichen Garten sitzen und frische Brötchen, Müsli oder Eier mit Schinken bzw. Speck in einer wunderbaren Latte genießen. Die aktuelle Tageskarte, die mittags und abends angeboten wird, enthält immer lokale Spezialitäten, aber auch österreichische bzw. schweizerische Klassiker. Im jedermanns in Kaufbeuren wird auf frische Produkte Wert gelegt und allein schon aufgrund des nicht allzu großen Platzangebotes kann hier noch frisch gekocht werden und es findet keine Massenabfertigung statt. Bis 14:00 Uhr können Sie gemütlich im jedermanns Kaufbeuren Preis bewusst essen, dazu gibt es hochqualitative Biere und Spirituosen.

Aber auch, wenn der Garten aufgrund der Jahreszeit nicht genutzt werden kann, bietet das jedermanns Kaufbeuren einen gemütlichen Gastraum, der im Winter gerne nach einem Bummel durch die Stadt genutzt wird, um einen frischen Tee oder Kaffee zu genießen und sich einfach mal auszuruhen. Die Preise sind im jedermanns für diese frische Küche und den schnellen und sehr freundlichen Service mehr als moderat. Auch Sonderwünsche werden gerne angenommen sofern der Aufwand nicht zu groß wird. Wer abends laute Musik möchte, ist beim jedermanns eher nicht so richtig. Leise Lounge- oder Barmusik herrschen hier vor und stören nicht, wenn man sich gut unterhalten will.

Also wenn Sie in Kaufbeuren ausgehen wollen bzw. essen gehen wollen, schauen Sie sich das Kaufbeurener jedermanns einfach mal an, ich kann Ihnen versprechen, Sie werden von dem Ambiente und der Küche begeistert sein und dabei auch ihre gute Laune nach Bezahlung der Rechnung nicht verlieren. Vielleicht schauen Sie vorher auf der Webseite vom jedermanns vorbei, um herauszufinden ob etwas für ihren Geschmack auf der Angebotskarte oder der regulären Speisekarte zu finden ist.

Jedenfalls wünsche ich Ihnen einen schönen Aufenthalt in dieser schönen bayrischen Stadt und lassen Sie es sich schmecken im jedermanns.

Gemütlich essen in fremden Wohn­zimmern und mit Menschen, die man noch nie vorher gesehen hat: Dieser Trend aus den USA ist mitt­lerweile auch nach Deutsch­land geschwappt, vor allem in große Städte wie Berlin. „Supper Clubs“ heißen solche Privatrestaurants. Hier lesen sie, was diese „Restaurants“ von konventionellen Lokalen unterscheidet und wie Interes­sierte ein Privatrestaurant finden.

Schuhe aus – und die Toilette ist den Gang runter

Schuhe ausziehen?“ – „Ja, bitte.“ Frank Pröß­dorf steht im Flur seiner Berliner Drei­zimmerwohnung, die er zusammen mit seiner Frau bewohnt. Neun Gäste führt der 30-Jährige der Reihe nach in sein Wohn­zimmer. Außer einem befreundeten Paar kennt Frank Pröß­dorf niemanden von ihnen. Auch die Besucher unter­einander sind sich fremd. Alle haben am Tag zuvor eine E-Mail bekommen mit genauen Angaben zum Ort der Veranstaltung. Der Gast­geber räuspert sich: „Will­kommen im Voi Supper Club. Schön, dass ihr da seid. Die Toilette ist den Gang runter, erste Tür rechts. Es gibt keinen Schlüssel, also lasst am besten das Licht an, wenn ihr im Bad seid.“

Der Ursprung liegt in Kuba

Supper Clubs wie den von Frank Pröß­dorf gibt es über­all auf der Welt. „Supper“ ist das eng­lische Wort für „Abend­essen“. Der Ursprung der Supper Clubs liegt vermutlich in Kuba. Dort laden Familien seit langem zu sich nach­hause ein und kochen für Touristen, die echtes kuba­nisches Essen und Lebens­gefühl kennen­lernen wollen. Mit den Jahren ist der Trend auch nach Deutsch­land geschwappt. Mehr als 60 Privatrestaurants gibt es hier­zulande, gut die Hälfte in Berlin. Jeder Supper Club ist einzig­artig. Es gibt keine gesetzlichen Regeln, denen die Betreiber folgen müssen. Die Lokale sind nirgendwo offiziell gemeldet.

Der IT-Experte steht am Herd

Hanna und Frank Pröß­dorf sind keine gelernten Köche. Sie ist Lehrerin, er arbeitet in der IT-Branche. Beide begeistern sich für gutes Essen, ein Luxusmenü ist ihnen schon mal ein paar hundert Euro wert. Sie sind in Familien aufgewachsen, deren Leben sich in der Küche abspielte. „Mein Vater ist Koch. Dadurch wollte ich immer schon Rezepte ausprobieren“, sagt Hanna Pröß­dorf. Ein paar Mal waren die beiden schon selber in fremden Wohn­zimmern zu Gast.

Die Menüs zeigen die Herkunft

Dann entschieden sich die Pröß­dorfs, es mit einem eigenen Privatrestaurant auszupro­bieren. Sie nennen es „Voi“. Es ist der finnische Name für „Butter“. „Wir wollten es kurz und prägnant“, erklärt Hanna Pröß­dorf, die Finnin ist. Ihre Herkunft soll sich möglichst in den Menüs widerspiegeln, mindestens die Über­schriften auf der Speisekarte sind auf Finnisch.

Gewinn machen ist nicht erlaubt

Ob das Betreiben von Supper Clubs in Deutsch­land legal ist, darüber grübeln die Experten. „Auf zivilrecht­licher Ebene ist das Betreiben eines Supper Clubs unpro­blematisch“, erklärt Katja Brzezinski, die Geschäfts­führerin der Forschungs­stelle für Deutsches und Europäisches Lebens­mittel­recht der Universität Bayreuth. Zwischen Gast­geber und Gast werde mündlich ein Vertrag geschlossen. „Nichts gegen einen kulinarischen Abend in privater Atmosphäre“, sagt auch Ingrid Hartges, Haupt­geschäfts­führerin des Deutschen Hotel- und Gast­stätten­verbands (Dehoga). Zu hinterfragen sei aber, „ob und in welchem Maße gastrono­misch mit Gewinn­erzielungs­absicht agiert wird. Damit hätten wir definitiv ein Problem.“ Kurzum: Wird Geld verdient, verwandelt sich das Privatrestaurant in einen Gastronomie­betrieb. Der Betreiber muss ein Gewerbe anmelden, Steuern zahlen und Auflagen beachten – vom Brand­schutz bis zu Hygiene­vorschriften.

„Sie wissen nicht, wer wir sind“

Die Stutt­garterin Christine Windisch* wähnt sich auf der Seite des Gesetzes. Seit einem Jahr laden ihr Freund und sie alle drei Monate zum Supper Club „Frida Kahlo“, dem ersten und bislang einzigen in Stutt­gart. „Wir heben alle Belege auf, um notfalls zeigen zu können, dass wir keinen Verdienst haben“, betont die Gast­geberin. Ihren richtigen Namen möchte sie nicht nennen. Das Geheim­nisvolle gehöre zum Erlebnis, davon sind die Club­ver­anstalter über­zeugt. „Unsere Gäste wissen nicht, wer wir sind, wir wissen nicht, wer kommt. So bleibt es für alle eine Über­raschung, bis wir uns an der Tür treffen.“ In ihrem Wohn­zimmer essen Menschen, die sich mitunter zu weiteren Treffen verabreden. „Das ist das Bereichernde“, freut sich die Stutt­garterin. „Wir bringen Leute zusammen, die sonst nie an einem Tisch sitzen würden.“

Nach Allergien fragen sie per E-Mail

Hanna und Frank Pröß­dorf haben jedes Essen mindestens einmal gekocht und gegessen, bevor sie es anderen anbieten. Mögliche Allergien oder Unver­träglich­keiten fragen sie vor der Menüplanung sorg­sam per E-Mail ab. Eine Teilnehmerin dieses Abends darf wegen einer Auto­imm­unerkrankung der Schild­drüse beispiels­weise kein jodiertes Speisesalz essen. Die Pröß­dorfs reizt vor allem der Nervenkitzel, in kurzer Zeit für mehrere Personen ein perfektes Menü zu kredenzen. „Es geht um die Heraus­forderung – schaffen wir es oder nicht?“, erzählt Hanna Pröß­dorf, als sie sich gegen Mitter­nacht mit ihrem Mann zu den Gästen im Wohn­zimmer gesellt. Selbst­gemachte Champagnertrüffel und fruchtiger Milchs­hake im Schokobecher machen zum Abschluss die Runde. Die Besucher diskutieren die richtige Konsistenz der Schoko-Rotweinsoße und sind uneins: War Hirsch oder Wachtel besser?

Besucher tragen das Risiko

Sollte sich ein Gast einmal den Magen in einem Supper Club verderben, muss er nach­weisen, dass der Betreiber einen Fehler gemacht hat. Im Restaurant dagegen liegt die Beweislast nicht beim Gast. Der Wirt muss belegen, dass das Essen okay war. „Das ist ein Risiko, das man als Gast eines Supper Clubs eingeht“, so Wolfgang Voit von der Forschungs­stelle für Lebens­mittel­recht der Uni Marburg. „Niemand kann ernst­haft erwarten, dass Privatpersonen Hygiene­stan­dards wie Gast­stätten einhalten.“ Auch für rutsch­feste Böden, besonderen Feuer­schutz oder speziell abge­sicherte Balkonbrüstungen ist in den Privatclubs von Amts wegen niemand zuständig. „Das sind ganz normale Wohnungen“, betont Tanja Lier, Leiterin des Stadt­entwick­lungs­amts Berlin-Mitte, dem auch die Bauaufsicht untersteht. „Wenn man so eine Einladung annimmt, geht man auf eigene Gefahr hin.“

40 Euro pro Person in den Karton

Diese Bedenken sind den Gästen von Hanna und Frank Pröß­dorf fremd. Neben der Lust auf gutes Essen hat sie die Neugier in den Supper Club getrieben. „Das hier ist eine ganz andere Art, neue Leute kennen­zulernen“, sagt Daniel Kirsch*, der ein paar Häuser weiter wohnt. Während sonst Gäste zwischen 40 und 50 Jahre kommen, sind die Besucher an diesem Abend zwischen 25 und 35 Jahre alt. Sie haben Gemein­samkeiten entdeckt, viel gelacht. Den Gast Thilo Utke reizt das Einzig­artige: „Das kannst du nicht repro­duzieren.“ Es ist ein Uhr nachts, als die Gast­geber an die Bezahlung erinnern. 40 Euro pro Person berechnen sie für Essen und Wein. Als Kasse dient ein Schuhkarton, gut sicht­bar aufgestellt neben der Tür.

 

 

Erstmals veröffentlicht:

http://www.test.de/