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Berlin: (hib/ROL) Die Gleichstellung von Frauen und Männern im Wissenschaftsbetrieb ist zwar vorangekommen, aber bei weitem nicht ausreichend: Je höher die Hierarchiestufe, desto geringer der Frauenanteil. Das ist das Fazit einer Öffentlichen Anhörung „Frauen in Wissenschaft und Forschung“ des Ausschuss für Bildung und Wissenschaft am heutigen Montagmittag. „Überall da, wo entschieden wird, sind kaum Frauen“, sagte die Ausschussvorsitzende Ulla Burchardt (SPD) in ihrem Eingangsstatement.

Jutta Dalhoff, vom GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, forderte, die vorhandenen Programme weiterzuentwickeln. Viele Instrumente wie die Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft aus dem Jahr 2008 hätten eine „positive gleichstellungspolitische Dynamik“ entfaltet. Der Frauenanteil der Professuren in Deutschland habe sich über alle Fächer hinweg von 10,6 Prozent im Jahr 2000 auf 19 Prozent im Jahr 2010 entwickelt.

Edit Kirsch-Auwärter, Gleichstellungsbeauftrage an der Universität Göttingen, machte sich für eine fach- und einrichtungsspezifische Quote stark, da Appelle nicht reichen würden und sich mitunter sogar negativ auf das Fortkommen der Frauen auswirken würden. Es entstehe der Eindruck für die Gleichstellung werde schon etwas getan. Kirsch-Auwärter fand deutliche Worte für die derzeitige Lage: „Bleibt die Personalstruktur so wie sie ist, ist das eine Aufforderung an Wissenschaftlerinnen das Wissenschaftssystem wieder zu verlassen. Das nenne ich einen perversen Ansatz.“

Der Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen, Joybrato Mukherjee nannte zur Veranschaulichung Zahlen. Obwohl die Uni Gießen zwei Drittel Studentinnen habe, liege der Anteil der männlichen Professoren bei 82 Prozent. Er plädierte dafür, dort wo neue Stellenbesetzungen anstünden, diese wenn irgend möglich mit Frauen zu besetzen. Auf allen Hierarchiestufen müsste die „kritische Masse“ von 30 bis 40 Prozent Frauenanteil erreicht werden, damit die Frauen „ganz selbstverständlich agieren“ könnten und nicht als Alibifrau gelten. Er sprach sich für eine Quote aus, die gemeinschaftlich verabredet ist und zudem die spezifischen Bedingungen an der jeweiligen Hochschule berücksichtigt. Sie müsste durch Maßnahmen flankiert werden, die auf einen Mentalitätswandel zielen.

Auch Wolfgang Marquardt, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, forderte eine Zielquote. Sie solle flexibel sein und an das Kaskadenmodell gekoppelt werden. Das bedeutet, dass der Frauenanteil auf einer Qualifikationsstufe mindestens so hoch sein muss, wie der Anteil auf der jeweils niedrigeren Stufe. Marquardt sagte: „Die Zielquoten sollen ambitioniert, aber realistisch sein.“

Auf einen anderen Punkt wies Martina Schraudner von der Technischen Universität München hin: „Die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen in der Wissenschaft ist keine Frage der Gerechtigkeit, sondern für die Organisation mit Vorteilen verbunden.“ Talente könnten aus einer größeren Grundgesamtheit geschöpft werden und es könnten andere Akzente gesetzt werden. Denn Frauen würden andere Forschungsthemen auf die Agenda setzen als Männer.

Dagmar Simon vom Wissenschaftszentrum Berlin sagte an ihr Vorrednerin anknüpfend: „Einen Großteil von qualifizierten Wissenschaftlerinnen auszuschließen ist nicht effizient.“

Original-Quelle: http://www.bundestag.de

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